Kinder mit Patenschaften fördern – und schützen

Wie in anderen Kontexten, wo Erwachsene und Kindern zusammen treffen und Vertrauensbeziehungen aufbauen, besteht bei Patenschaften das Risiko, dass pädosexuell orientierte Menschen fürsorgliche Rollen für ihre Zwecke missbrauchen können. Bei Patenschaften kommt die Besonderheit hinzu, dass Kinder mit ihren PatInnen viel Zeit zu zweit verbringen. Darin liegt der spezifische positive Nutzen des Tandem-Ansatzes – und zugleich die Bedeu­tung von präventiven Maßnahmen in diesem Engagementfeld.

 

Alle KoordinatorInnen aus Paten- und Mentoringprojekten sind sich dieser Situation und ihrer Verantwortung bewusst. Seit sie vor einigen Jahren be­gannen, sich zu vernetzen, stimmen sie sich über geeignete Vorkehrungen zur Prävention ab und arbeiten dazu kontinuierlich zusammen. Seit 2011 ist die AG Kinderschutz ein fester Termin in den Aktivitäten des Netzwerks Berliner Kinderpatenschaften e.V.

 

Bei den regelmäßigen Treffen der AG haben sich die beteiligten Koordinato­ren in vielfältiger Weise informiert und beraten: Gemeinsam hat man Kinder­schutz-Konzepte aus anderen Bereichen gesichtet und vor allem Exptert­Innen eingeladen und interviewt. Dazu gehörten Hauptkommissare der Berliner Polizei ebenso wie Psychologinnen der Charité. Außerdem gab es eine Schulung durch Mitarbeiter eines Projekts, das direkt in der Prävention vor pädosexuellen Übergriffen tätig ist, und eine Fachtagung zu Thema 'Männer als Paten'. So konnten sich die Netzwerk-Mitglieder fortlaufend sensibilisieren, ihr Wissen über Täterstrategien ausbauen und Ratschläge einholen, wie man für den Bereich Patenschaften passende Maßnahmen konzipiert und umsetzt.

 

Entstanden ist daraus ein Maßnahmen-Katalog für Paten-Projekte. Seit 2013 sind alle aktuell 33 Berliner Netzwerk-Mitglieder verpflichtet, ihn in der eigen­en Arbeit umzusetzen.


Die Maßnahmen des Netzwerks Berliner Kinderpatenschaften e.V.

und seiner Mitglieder zur Prävention vor pädosexuell motivierter Manipulation und Gewalt

 

 Zu den verpflichtenden Maßnahmen gehört unter anderem vor der Vermittlung

• ein ausführliches Erstgespräch mit den künftigen Patinnen und Paten,

• die Vorlage eines Lichtbildausweises der freiwillig Engagierten,

• ein aktuelles erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und

• die Thematisierung von Grenzen und den Umgang mit Grenzverletz­ ungen, sei es bei Info-Abenden oder Einführungsschulungen,

• eine regelmäßige Verständigung über dieses Thema mit allen Koor­dinator/innen und allen weiteren Team-Mitgliedern, die in Kontakt mit Paten-oder Mentoren-Tandem kommen.

 

Um laufende Patenschaften gut zu betreuen und bei Schwierigkeiten jeder Art schnell intervenieren zu können, ist ebenso verpflichtend

• eine regelmäßige Begleitung beider Seiten, etwa durch Telefonge­spräche oder persönliche Treffen mit den Eltern und Paten sowie

• die Ausarbeitung eines Krisenleitfadens, der konkret vorgibt, wie im Falle eines Verdachts auf sexuellen Missbrauch vorzugehen ist.

 

Hinzu kommen Maßnahmen, die allen im Netzwerk angegliederten Projekten empfohlen werden, die aber individuell angepasst umgesetzt werden können, je nach Zielgruppe und und je nach Aktivitäten-Schwerpunkt des jeweiligen Patenangebotes. Dazu gehört zum Beispiel eine Art Ehrenkodex, die Pat­Innen unterschreiben müssen. Darin fixiert sind etwa Regeln dazu, welche Geschenke gemacht werden, wo sich Tandems aufhalten dürfen und unter welchen Bedingungen eine Übernachtung erlaubt wird etc.

 

Zudem konnte das Netzwerk eine Maßnahme des Berliner Fußball Verbands adaptieren. Sie wurde entwickelt angesichts der Erfahrung, dass einschlägig verurteilte Trainer von Verein zu Verein 'weiterzogen'. Auch bei Patenschafts­angeboten kommt es vor, dass Freiwillige sich mehrere Projekte anschauen. Ein Verhalten, das insofern angemessen ist, als Freiwillige sich dort enga­gieren sollen, wo sie sich am wohlsten fühlen. Allerdings sollten Mehrfach-Bewerbungen für die KoordinatorInnen stets transparent sein.

 

Daher führt das Netzwerk Berliner Patenschaften e.V. wie der Fußball-Verband an einem sicherem Ort eine zentrale Datei. Dort werden, mit Einwilligung der Betreffenden, Namen und Geburtstag von PatInnen gespeichert. Tauchen Namen doppelt auf, wird dieser Umstand den beteiligten Koordina­torInnen gemeldet, so dass sie den oder die Betreffende rückfragen können, sollte er oder sie diesen Umstand verschwiegen haben.

 

Die im Netzwerk angegliederten Projekte arbeiten laufend daran, dass Paten­schaften zu einer wohltuenden Erfahrung für beide Seiten werden können. Weil menschliche Beziehungen naturgemäß komplex sind, sind dabei viele Faktoren zu beachten. Alles was zu erfüllten Tandem-Beziehungen führen kann, wird seit Mitte 2014 in der AG Qualität besprochen. Fragen der Präven­tion von sexualisierter Gewalt und Manipulation werden dort weiterhin behan­delt - denn Kinderschutz ist eine Daueraufgabe.

Hier erhalten Sie die Selbstverpflichtungserklärung als Download.

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